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Dienstag, 24. Oktober 2023

24. Oktober 2023, 10:40    office@wildes-bayern.de

UPDATE zum “Brandbrief” der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal zum Wald


UPDATE 24.10.2023: Vor einigen Tagen erreichte uns die Antwort der Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, auf den Brandbrief der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (s. u.). Kurz zusammengefasst: Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen und die BaySF wissen von nichts – also kann da wohl auch nichts sein. “Insgesamt liegen keine waldrechtlichen Verstöße vor, die Maßnahmen entsprechen den Vorgaben einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.” Und die Rodung bei Bad Wiessee war eben dem Borkenkäfer geschuldet.

Der Brief zeigt: Die Frage, was solche Maßnahmen jeweils für geschützte Arten wie die Raufußhühner und ihren Nachwuchs bedeuten, liegt bei der Forstbewirtschaftung wirklich nicht obenauf, auch wenn die Ministerin ins Feld führt, dass kritische Maßnahmen im Vorfeld mit der Naturschutzbehörde abgestimmt würden. Aber was sieht ein Forstbetriebsleiter, der seine gesamte Karriere nach seinem Forststudium in Behörden, Ministerien und Unternehmen verbracht hat, als kritisch für das Wohlergehen einer Raufußhuhnpopulation an? Die von der SGT und Wildes Bayern ins Feld geführten Maßnahmen an Steigbau und Holzfällarbeiten in der Brut- und Aufzuchtszeit wohl jedenfalls nicht…

Aus gegebenem Anlass geben wir hier als Empfehlung eine Handreichung aus der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg zur auerwildgerechten Waldbewirtschaftung weiter.

 

UPDATE 25.9.2023: Aktueller Bericht von Merkur.de über drastische Holzfällungen im Bereich von Krün

Ursprüngliche Meldung vom 22.9.2023

Die Vorsitzende unseres Partnervereins “Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal”, Angela Brogsitter-Finck, hat einen “Brandbrief” an die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber geschrieben. Ihr Anliegen: Der Umgang mit unserem Allgemeingut Staatsforst, gravierende Umweltschäden im Bergwald, rechtlich fragwürdige Straßenbaumaßnahmen im FFH Gebiet Mangfallgebirge, illegale Steige in bisher unerschlossenen Gebieten zwischen Siebenhütten und Halserspitze, forstliche Maßnahmen während der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit von geschützten Vögeln sowie vermutete Verstöße gegen FFH-Richtlinie und Naturschutzgesetz. Brogsitter-Finck beklagt, dass sich die Bayerischen Staatsforsten für eine Kooperation, zum Beispiel mit Naturschutzvereinen, unzugänglich erweisen, und fordert eine Wende im Umgang mit dem Wald.

Wildes Bayern unterstützt diese Forderungen. Seit Jahren dokumentieren wir Zustände in den Betrieben der Bayerischen Staatsforsten, die aus unserer Sicht massiv zu Lasten der Wildtiere, des Waldes und des Ökosystems insgesamt gehen, und zeigen diese an.  Wir vermissen bei den Bayerischen Staatsforsten Transparenz ebenso wie effiziente Kontrollmechanismen.

Auch das zuständige Ministerium wird seiner Kontrollfunktion nach unserer Überzeugung nicht gerecht. In den BaySF werden öffentliche Güter verwaltet, es wird mit öffentlichen Mitteln und Staatsvermögen umgegangen. Insofern erwarten wir, dass die Betriebsleiter nicht wie auf einem Gutshof nach Belieben wirtschaften. Wie sich das derzeitige System auf die finanzielle Situation der BaySF AöR auswirkt, ist in den vorgelegten Bilanzen klar abzusehen: In den Geschäftsjahren 2019 bis 2021 entstanden Jahresfehlbeträge von insgesamt rund 186 Mio. Euro, die Liquiditätskrise wurde durch ein Millionendarlehen des Freistaates Bayern abgemildert. Erst im Geschäftsjahr 2022 entstand, ausgehend vom starken Holzpreisanstieg, wieder ein magerer Jahresüberschuss von etwas mehr als 5 Mio. Euro. Die letzten Jahre kann man also nur noch als wirtschaftliches Debakel, keinesfalls aber als nachhaltiges Wirtschaften bezeichnen. Wann zieht hier endlich jemand die Reißleine?

In den vergangenen Jahren hat Wildes Bayern unter anderem wegen folgender Aspekte Anzeigen erstattet:

  • forstliche Maßnahmen während der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit von geschützten Vogelarten (Raufußhühnern) in den Landkreisen BGL, GAP, MB, TS
  • nicht genehmigte Wegbauten im SPA-/FFH-Gebiet Mangfallgebirge
  • massive Betonfundamente, Netze und massive Verbauungen zur Sicherung von Baumpflanzungen am Grüneck, in Bereichen mit kartierten Biotopen und im Lebensraum geschützter Raufußhühnern
  • Aufstellen eines Wohncontainers für Jäger mitten im Naturschutzgebiet Geigelstein durch den Forstbetrieb Ruhpolding: Anzeige durch uns 2017, Bestätigung der Regierung von Oberbayern/Höhere Naturschutzbehörde, dass der Container illegal dort stehe und beseitigt werden müsse. Im Frühjahr 2023 stand der Container immer noch und wurde Ende April (Balzzeit) sogar mit dem Hubschrauber angeflogen, um Material für Jäger hinauf zu bringen. Eine erneute Anzeige hat zumindest seine Nutzung zu Wohnzwecken unterbunden.
  • Behandlung von Holzpoltern (Borkenkäferholz) mit Insektiziden im Forstbetrieb Wasserburg ohne für Wanderer sichtbare Kennzeichnung
  • Zerstörung von Ameisenhaufen auf Rückegassen für Harvester in den Landkreisen MB und GAP
  • haufenweise Zaunabfälle in den Staatswäldern
  • körperlicher Nachweis von erlegtem Wild unter Aussparung des Gesäugebereichs im Landkreis MB und RO – so kann nicht erkannt werden, ob ein Stück ein Junges hatte, was seine Erlegung zu einer Straftat machen würde
  • Freigabe von “allein anwechselnden” Alttieren bei Drückjagden – das eröffnet die Möglichkeit, dass getrennt laufenden Jungtieren die Mutter weggeschossen wird, was eine Straftat darstellen würde
  • Missmanagement insbesondere von Rotwildfütterungen, zum Beispiel nicht fachgerecht durchgeführte Auflösungen von Fütterungen und Wintergattern, wie im Bereich Ruhpolding, mit daraus resultierenden tierschutzrelevanten Folgen und Schäden
  • “Kleinkrieg” der Forstbetriebe gegen die gesetzliche Pflicht zur Vorlage der Trophäen bei der Hegeschau
  • Sanktionen und vermutetes Mobbing gegen kritische Mitarbeiter

In den allermeisten Fällen blieben unsere Anzeigen bei den Landratsämtern ohne Konsequenz. Aus unserer Sicht agieren die Bayerischen Staatsforsten wie ein “Staat im Staate”, nach eigenen Regeln und Gutdünken, und werden von den staatlichen Behörden weder überwacht noch sanktioniert.

Den Brief der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal an Frau Staatsminister Kaniber findet Ihr hier

 

 

Bildquelle: Schaden an Wald und Boden durch Holzfällarbeiten, Foto: Wildes Bayern/privat, Foto: Wildes Bayern/privat




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