Blogpost
Dienstag, 25. März 2025

Scrollicon
Ein Dachs auf einem Erdhaufen
25. März 2025, 09:59    office@wildes-bayern.de

Graben als Überlebensstrategie


Dass das Leben in einem unterirdischen Bau für Tiere gewisse Vorteile hat, liegt auf der Hand. Siehe Fuchs oder Dachs: Sie leben verborgen und ziehen ihre Jungen, die blind und fast nackt zur Welt kommen, die erste Zeit in dem geschützten Umfeld auf, bis sie fit genug sind, der Welt in die Augen zu schauen. Andere Arten, wie das Murmeltier, überstehend die gesamte „schlechte“ Jahreszeit, den Winter, schlafend im Boden. Jetzt haben Wissenschaftler sich die Lebensweise so genannter grabender Säugetiere mal im großen Zusammenhang angeschaut, auch historisch, und haben festgestellt: Graben war nicht nur eine äußerst erfolgreiche Evolutionsstrategie, sondern könnte sich auch in Zukunft im Angesicht des Klimawandels als günstig erweisen.

Die Forschenden der Philipps-Universität Marburg um die Biolog*innen Dr. Stefan Pinkert und Prof. Dr. Nina Farwig zeigen in einer neuen Studie, dass grabende Tiere überdurchschnittlich artenreich in kalten, wenig produktiven und saisonalen Klimazonen sind. Damit weichen sie nicht nur von der Norm ab, sondern reagieren sogar entgegengesetzt zu nicht-grabenden Säugetierarten. In der Evolutionsgeschichte der Säugetiere kam es gerade in Zeiten großer klimatischer Umbrüche zu einer markanten Zunahme von grabenden Gruppen, wie die Forschenden in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Current Biology“ berichten.

Das Forschungsteam analysierte hierfür die Lebensweise und Verbreitung von über 4.400 Säugetierarten (ohne Fledermäuse) weltweit sowie deren Diversifikation im Verlauf der Evolutionsgeschichte der Säugetiere. Hierbei stellten sie fest, dass besonders grabende Gruppen zum Beispiel das Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren überlebten, das zum Beispiel die Dinosaurier vernichtete. Die Erdbewohner legten damit die Grundlage für den weltweiten Siegeszug der Säugetiere. Auch während späterer Kaltzeiten kam es zu einer verstärkten Ausbreitung dieser Tiere, und es entstanden besonders viele evolutionäre Linien von grabenden Säugern.

Die Studie zeigt, dass heute mindestens 40 Prozent aller landlebenden Säugetiere grabend leben. Das nutzt nicht nur ihnen selbst: Ihre Grabaktivität verbessert die Bodenstruktur, beeinflusst Wasserflüsse und schafft Rückzugsorte für zahlreiche andere Arten, so die Forscher. Dies macht sie nicht nur zu einem zentralen Bestandteil vieler Ökosysteme, sondern könnte auch eine wichtige Rolle in der Widerstandsfähigkeit von Landschaften gegenüber dem Klimawandel spielen. Sie schlagen deshalb vor, dass Verhaltensweisen wie das Graben in Zukunft stärker in Biodiversitätsprognosen und Schutzstrategien einbezogen werden sollten.

Die vollständige Studie in englischer Sprache findet Ihr hier

Bildquelle: Beeki/Pixabay




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

US-Studie zur Nutztierhaltung: Keiner will das

Eichhörnchen in der Stadt – besser oder schlechter dran?

Hummeln, die heimlichen Rock´n Roller

Rehkitze markieren bringt wichtige Daten UPDATE

Junge Rotmilane mögen Schlaf-WGs

Biber – die besten Helfer der Biodiversität

Katzen halfen beim Mäusemonitoring Schweiz

Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Was bringt der Biber?

protectAlps: Schlechte Neuigkeiten für alpine Insekten

Ohne Wildschweine weniger Artenvielfalt UPDATE

Soziale „Revolution“ bei Pavianen in Kenia

Schmelzendes Eis: Nicht alle Eisbären leiden gleichermaßen

Gänsestudie: Fressen ist wichtiger als fürchten

Dem Bösewicht auf der Spur: Erster Waldschädling entdeckt

Diese Fische brauchen den Schutz der Bonner Konvention!

Kühe – so viel intelligenter als gedacht * VIDEO*

Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement

Mehr Licht in der Nacht – weniger Vogelnachwuchs UPDATE

Wie schlau sind Wölfe wirklich? * VIDEO *

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

Vogelgrippe: Das kann helfen, Ansteckung zu verhindern

Save the date: Internationale Igelkonferenz in Kopenhagen

Stumme Gewässer: Wie der Klimawandel den „Herzschlag“ der Seen stoppt

UPDATE Artenkenntnis: Naturbindung ist eine Generationenfrage

Animal-Aided Design – wenn Tiere das Haus mitplanen dürfen

UPDATE 21. November – Führung „Neuperlach der Tiere“

Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur

Neugierige Vögel könnten im Wandel besser bestehen






Aktuelle Informationen



Ein paar Gedanken zum Tag der Erde Heute, am Earth day, wollte ich mich fünf Minuten auf dem Balkon sonnen - und musste prompt miterleben, wie meine…

Mittwoch, 22. April 2026
Jetzt lesen
Morgen Online-Vortrag über Waldameisen und ihr Reich Waldameisen zählen aufgrund ihrer auffälligen Nesthügel zu den bekanntesten Insekten Mitteleuropas. Aber diese Hügel  sind weit mehr als nur Haufen…

Mittwoch, 22. April 2026
Jetzt lesen
UPDATE Rotwildforum in Niedersachsen als VIDEO Die Landesjägerschaft Niedersachsen veranstaltete am 18. April ein Wildtierforum mit einem Schwerpunkt auf den Themen Vernetzung und Genetik bei Rotwild.…

Mittwoch, 22. April 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden