Blogpost
Dienstag, 08. Juli 2025

Scrollicon
Ein Waldkauz schaut hinter einem Baum hervor
08. Juli 2025, 13:15    office@wildes-bayern.de

Waldkäuze: Wer nix hört, kann immer noch sehen!


Der Waldkauz ist ein Nachtjäger mit feinen Sinnen. Umso interessanter ist die Frage, wie die Art mit nächtlichem Lärm und Lichtverschmutzung umgeht, wie sie ja immer mehr in natürliche Lebensräume hineingetragen werden. Diese Frage verfolgten Wissenschaftler der schwedischen Universität Lund mit einer Untersuchung.

Sie wollten wissen, wie sich Verkehrsgeräusche und künstliches Licht auf die Beuteerkennung des Waldkauzes auswirken. Dazu spielten sie den Nachtjägern aufgezeichnetes Rascheln von Nagetieren vom Band vor und simulierten mit visuellen Attrappen das Huschen ihrer Beutetiere. Unter verschiedenen Bedingungen maßen die Wissenschaftler dann, wie oft und wie schnell die Eulen auf diese Reize reagierten.

Sie verglichen die Reaktionszeiten der Eulen bei natürlicher Dunkelheit ohne Lärm, bei Verkehrslärm, bei künstlicher Beleuchtung und schließlich bei einer Kombination aus beidem.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Tiere ihre Beute bei Straßenlärm schlechter akustisch wahrnehmen konnten als ohne. Unter Lärm reagierten sie seltener und benötigten deutlich mehr Zeit, um die Beutegeräusche zu orten. Anders war es mit dem vermeintlich störenden Licht: Die Fähigkeit der Waldkäuz, visuelle Reize wahrzunehmen, blieb unter Lichtbelastung nahezu unverändert, ebenso wie die akustische Wahrnehmung.

Überraschend war, dass bei einer kombinierten Belastung durch Lärm und Licht die Wahrnehmung nicht etwa gleich schlecht war wie ohne Licht, sondern leicht besser als bei Störungen durch Lärm. Offenbar gleichen Waldkäuze in erhellter Umgebung ihre gestörte Geräuschwahrnehmung teilweise durch verstärkte visuelle Aufmerksamkeit aus und wechseln bei Bedarf ihre Jagdstrategie.

Diese Befunde unterstreichen, dass Licht- und Lärmbelastung sich nicht einfach addieren, sondern dass sie komplexe und teilweise unerwartete Wechselwirkungen auslösen können. Für den Naturschutz bedeutet das nach Ansicht der Forscher: Maßnahmen dürfen nicht isoliert betrachtet werden!

Wenn wir Lebensräume für nachtaktive Arten, wie den Waldkauz, schützen wollen, müssen wir sowohl Verkehrsberuhigung durch Tempolimits und lärmmindernde Straßenbeläge als auch ein intelligentes Lichtmanagement umsetzen, etwa durch gezielte, abgeschirmte Beleuchtung und temporäre Abschaltungen in sensiblen Arealen. Nur so können wir sicherstellen, dass Eulen und andere nachtaktive Tiere ihre Sinne in Balance halten, um erfolgreich zu jagen und langfristig gesunde Populationen zu erhalten.

Bildquelle: Dieter Streitmair




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

UPDATE PFAS – Buchtipp „Die Vergiftung der Welt“

Diese Fische brauchen den Schutz der Bonner Konvention!

Kühe – so viel intelligenter als gedacht * VIDEO*

Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement

Mehr Licht in der Nacht – weniger Vogelnachwuchs UPDATE

Wie schlau sind Wölfe wirklich? * VIDEO *

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

Vogelgrippe: Das kann helfen, Ansteckung zu verhindern

UPDATE Artenkenntnis: Naturbindung ist eine Generationenfrage

Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur

Neugierige Vögel könnten im Wandel besser bestehen

Studie: Laufkäfer brauchen Lebensräume

Die Halloween-Studie: Ratten fressen Fledermäuse * VIDEO

Forscher warnen: Genetische Vielfalt nicht außer Acht lassen! UPDATE

Feiern wir das Wilde nur, wenn es uns vertraut erscheint?

Neue Wildtier-Studie: Ungeahnte Schlüsselakteure der Artenvielfalt!

Plastikmüll vom Acker wandert in Vogelnester

Städtische Mauereidechsen sind toleranter

Wiederansiedlung von Luchsen in Colorado: Ein Lehrstück

Insektenschutz: Licht in der Nacht minimieren und fokussieren!

Motten suchen das Licht – was das für unsere Wälder bedeutet

Hirsche schützen heißt auch Wanderungen bewahren!

Unsichtbare Feinde im Adlerhorst

Smile! Fotos als Datenquelle für den Artenschutz

Puma-Studie könnte unserem Steinwild helfen

Schlechte Nachricht: Fungizid schädigt Spatzen

Myxomatose – die neue Bedrohung für unsere Hasen

Ohne Wildschweine weniger Artenvielfalt

Murmeltieren geht im Klimawandel der Lebensraum aus

Funktionieren Fischschwärme wie neuronale Netzwerke?






Aktuelle Informationen



Mein liebster Gärtner - der Maulwurf UPDATE Den ganzen Winter über habe ich die Aktivitäten der Maulwürfe auf der Wiese hinter unserem Dorf beobachtet, und ich kann…

Mittwoch, 18. Februar 2026
Jetzt lesen
25. Februar: Bildervortrag über den Nymphenburger Schlosspark Der Verein "Freunde der Zoologischen Staatssammlung" in München bietet am 25. Februar einen hybriden Bildervortrag über den Nymphenburger Schlosspark an.…

Mittwoch, 18. Februar 2026
Jetzt lesen
18. April Rotwildforum in Niedersachsen Die Landesjägerschaft Niedersachsen veranstaltet am 18. April ein Rotwildforum mit einem Schwerpunkt auf den Themen Vernetzung und Genetik. Unter anderem…

Mittwoch, 18. Februar 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden